Einen nahestehenden Menschen zu pflegen, zieht oftmals zahlreiche Kon
sequenzen nach sich, die diese Aufgabe zu einer mitunter belastenden Herausforderung werden lässt. Dennoch werden europaweit werden 80% aller Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen und/oder Freunden betreut und gepflegt.
Der RBS – Center fir Alterfroen nahm sich dieser hochaktuellen Thematik an und repräsentierte Luxemburg im Rahmen des europäischen Projekts INNOVAGE FP7. Hierbei wurde unter Leitung von INCRA (Italian National Institute of Health and Science of Ageing) und der Dachorganisation EUROCARERS für die 27 EU-Mitgliedsstaaten die Internetplattform InformCare entwickelt, die Informationen und Angebote für pflegende Angehörige, aber auch Mitarbeiter aus dem Pflege- und Sozialsektor beinhaltet. Der RBS konzipierte als nationaler Projektpartner die Version für Luxemburg in deutscher und französischer Sprache (www.informcare.lu/de oder www.informcare.lu/fr).
Zur offiziellen Vorstellung der Homepage hatte der RBS am 18. November 2015 den geschäftsführenden Direktor von EUROCARERS, Stecy Yghemonos, sowie Vertreter des Familien- und Gesundheitsministeriums und der Pflegeversicherung zu einer gut besuchten öffentlichen Konferenz ins Auditorium der BGL BNP Paribas auf Kirchberg eingeladen. Yghemonos wies dabei auf die Bedeutung und Rolle pflegender Angehöriger im Kontext europäischer Gesundheits- und Sozialsysteme hin und beleuchtete u.a. den Stellenwert informeller Pflege aus sozialpolitischer und ökonomischer Perspektive.
Europaweit fordern viele pflegende Angehörige u.a. eine stärkere finanzielle Unterstützung ihrer Tätigkeit, die sie allzu oft in soziale Isolation und Armut treibt sowie gesundheitlich, beruflich und familiär stark belastet. Auch flexiblere Arbeitsbedingungen, bezahlter oder unbezahlter Pflegeurlaub sowie die Anrechnung der Pflegetätigkeit im Hinblick auf Pensions- und Rentenansprüche liegen den aidants informels am Herzen.
Regierungsrat Pierre Biver, der Familienministerin Corinne Cahen vertrat, unterstrich, dass häusliche Pflege auch bei gleichzeitiger professioneller Betreuung ohne Angehörige gar nicht möglich sei: „Wir brauchen mehr offizielle Anerkennung nicht nur für das Engagement, aber auch für die Ausdauer pflegender Angehöriger, deren Leistung einen hohen Stellenwert innerhalb unserer Gesellschaft hat.“
Dr. Françoise Berthet vom Gesundheitsministerium erklärte, dass es wichtig sei, den Betroffenen als „expert de ses soins“ anzuerkennen und eine patientenzentrierte Sicht zu entwickeln. Im Rahmen der bevorstehenden Reform der Pflegeversicherung geht es u.a. darum, die Charakteristiken pflegender Angehöriger strukturierter zu erfassen.
Auf diese Weise möchte man ihren spezifischen Bedürfnissen nach Hilfe, Schulung und Beratung besser gerecht werden, so Pascale Kolb, Psychologin und verantwortlich für Zusammenarbeit und externe Kommunikation bei der Cellule d’évaluation et d’orientation de l’assurance dépendance (CEO). Beibehalten werden aber auch künftig die Leitprinzipien ambulant vor stationär sowie Sachleistungen vorGeldleistungen. Letztere dürften keinesfalls als Anreiz gesehen werden, seineBerufstätigkeit zugunsten der Pflege eines Angehörigen aufzugeben.
Weitere Infos zum Thema auf www.cellulederecherche.lu und www.eurocarers.org
