INTERREG IVB SeNS

Kontext

Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels in Luxemburg und ganz Europa (z.B. durch gestiegene Mobilität, Trennungen, Kleinfamilien, Aus-/Einwanderung, Vereinzelung) gehen natürlich gewachsene soziale Netzwerke immer mehr verloren. Die Gefahr der Isolation und Non-Kommunikation steigt in jedem Alter, doch gerade im Seniorenalter bringt die Vereinzelung gravierende Probleme mit sich, die nicht allein durch professionelle Strukturen aufgefangen werden können. In den letzten Jahren wurden viele Strukturen und Angebote für Senioren initiiert. Trotzdem werden in ganz Europa nur ca. 20% der Menschen im Seniorenalter erreicht. Informationen über ehrenamtliche, ambulante und stationäre Angebote und Einrichtungen der Seniorenarbeit und Seniorenhilfe erreichen viele Menschen im Alter häufig gar nicht oder sie werden erst im « Notfall » eingefordert. Dadurch kommt es oft zu « Kurzschlussentscheidungen » und vor allen Dingen werden natürliche Hilfsressourcen nicht genutzt (z.B. Nachbarschaftshilfe). Um diese Situation zu ändern, sollen zukünftig mehr Gemeinden sensibilisiert und motiviert werden, verstärkt ehrenamtliche und nachbarschaftliche Netzwerke von und zwischen Senioren zu fördern und dafür gut integrierte Senioren als Multiplikatoren zu nutzen.

[cml_media_alt id='108']Print[/cml_media_alt]Beschreibung

Im Rahmen des INTERREG – Projektes werden unterschiedliche Gemeinden als « Pilotgemeinden » teilnehmen, um die Bedingungen und Hemmnisse zum Aufbau solcher Netzwerke zu untersuchen und in der Praxis zu testen, die die Schaffung lebendiger Netzwerke für und mit Senioren beeinflussen. Diese neuen Netzwerke sollen an die Stelle der nach und nach überall verloren gehenden natürlich gewachsenen Netzwerke treten (« auch vor kleinen Dörfern macht der demographische Wandel nicht halt »). Zur Schaffung dieser Netzwerke werden im SENS – Projekt drei Strategien näher beleuchtet (« come to us », « go to them » und « internetgestütze Netzwerke »).

Der RBS-Center fir Altersfroen wird im Rahmen dieses Projekts zwei Aktivitäten durchführen und evaluieren:

[cml_media_alt id='109']SeNS_4c[/cml_media_alt]

Seniorenkontaktdienst: Alle Senioren einer Pilotgemeinde werden angeschrieben und können ein Kontaktgespräch mit speziell ausgebildeten Ehrenamtlichen erhalten. Dadurch sollen gerade die Senioren erreicht werden, die eher isoliert sind und wenige oder keine Angebote der Gemeinden in Anspruch nehmen. Im Kontaktgespräch werden zum einen Informationen über alle Angebote der jeweiligen Gemeinde persönlich übermittelt. Umgekehrt können die besuchten Senioren Auskunft darüber geben, welche Informationen sie überhaupt haben, was sie davon abhält, vorhandene Angebote zu nutzen und welche Hilfen sie aus ihrer persönlichen Sicht tatsächlich benötigen. Durch den persönlichen Kontakt mit den Ehrenamtlichen soll darüber hinaus der Zugang zu den Angeboten und sozialen Netzwerken erleichtert bzw. Hemmschwellen abgebaut werden.

Für die nationale Politik ermöglicht diese Aktivität, inaktive und isolierte Senioren zu erreichen, zu informieren und deren tatsächlichen Bedürfnisse zu erfassen. Das ermöglicht eine bessere Anpassung der bestehenden Angebote für Senioren an die jeweilige Zusammensetzung der Bevölkerung in einer Gemeinde. Gerade in Luxemburg wird die Gruppe der Senioren immer heterogener, da die Vielfalt der Nationalitäten, des Bildungsstandes etc. sich auch auf die Bedürfnisse der Senioren entscheidend auswirkt. Durch diese Aktivität kann das vorhandene Angebot differenzierter ausgebaut und angepasst werden. Darüber hinaus ermöglicht sie den Aufbau sozialer Netzwerke zwischen jüngeren und älteren Senioren, was für die zukünftige demografische Entwicklung existentiell werden wird, da professionelle Angebote allein nicht mehr die steigende soziale und gesundheitspolitisch immer gefährlichere Isolation von älteren Menschen kompensieren können. Insgesamt können dadurch bestehende Angebote besser ausgelastet bzw. entsprechend der jeweiligen Bedürfnislage der Senioren zur Verfügung gestellt werden.

Unter folgendem Link können Sie die RTL-Reportage vom 23. Januar 2013 zum SeNS Projekt „Senioren Hausbesuchsdienst“ anschauen.

http://tele.rtl.lu/waatleeft/replay/v/20130123/0/2984965/

Erwachsenenleben 2.0: In einer « Arbeitsgesellschaft » definieren sich immer mehr Menschen nur über ihre beruflichen Rollen. Nur wenige Menschen setzen sich frühzeitig mit dem kritischen Lebensereignis « Pensionierung » auseinander. Sie warten sozusagen bis zum letzten Moment und werden dann schlagartig mit der neuen Lebenssituation konfrontiert. Ihnen ist kaum bewusst, dass mit der Pensionierung auch ein großer Teil der gewohnten sozialen Kontakte und der Sinnstiftung durch den Arbeitsauftrag verloren geht. Während man z.B. selbstverständlich angehende Eltern auf ihre Schwangerschaft oder Jugendliche auf ihren Berufseinstieg vorzubereiten versucht, gibt es keine Kultur der « Pensionsvorbereitung ». Im Rahmen des Projekts wird eine neue Form der Veranstaltung entwickelt, getestet und evaluiert, die Menschen möglichst noch vor oder so früh wie möglich nach der Pensionierung erreicht. Diese Veranstaltungen sollen so konzipiert werden, dass sie nicht abschrecken, sondern mit einer Mixtur aus Unterhaltung, Humor und Information Menschen anziehen daran teilzunehmen. Anstelle ein « coming out » als « alter Mensch » haben zu müssen, sollen diese Veranstaltungen ermöglichen, sich unverbindlich informieren und anregen zu lassen. Dabei werden im Rahmen dieser Veranstaltung auch soziale Begegnungsmöglichkeiten geschaffen, die eine Information von « Senior zu Senior » ermöglichen und neue Perspektiven für den einzelnen Besucher anstoßen

Für die nationale Politik ermöglicht diese Aktivität, einerseits vorhandene Ressourcen von jüngeren Senioren frühzeitig nutzbar zu machen und deren Beteiligung an der Gesellschaft zu erhalten. Durch die präventive Vorbereitung auf ein Leben in der Pension können eine Reihe von gravierenden Problemen durch den Verlust des Arbeitsumfeldes und der damit verbundenen gesellschaftlichen Anerkennung und Integration bei älteren Menschen reduziert werden. Darüber hinaus ermöglicht diese Aktivität eine frühzeitige Rekrutierung von « Ehrenamtspower » eine Entlastung der Gemeinden, die zukünftig mehr « qualifiziertes Ehrenamt » benötigt. Durch diese Aktivität soll erreicht werden, dass die Pensionsvorbereitung zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit und ein fester Bestandteil jeder Gemeinde wird.

Detaillierte Informationen zum INTERREG SeNS Projekt und den Aktionen aller beteiligten EU-Partnern sind der offiziellen Projektwebseite http://www.sens-project.eu/  zu entnehmen.